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 Im Jahr 1944 erfüllt sich das Ehepaar Foster einen großen Wunsch und zog in USA auf ein für ihre Bedürfnisse ideales Anwesen mit 6 Hektar nach Reddington, Connecticut, um. Alles, was sie gerne hatten, war vorhanden. Selbst kleinere Jagderlebnisse konnte Hal auf dem weitläufigen Areal realisieren. Es waren dort glückliche Jahre, alles schien optimal zu sein, Foster stand als geistiger Vater des Abenteuercomics auf dem absoluten Höhepunkt seines Erfolges. Doch selten fehlt in solchen Situationen neben vieler Sonne auch der Schatten. Und der war nachhaltig. Nach Jahrzehnten der Überbeanspruchung seines Körpers durch die viele Arbeit zeigte sich beim 70-jährigen Abnutzungsfolgen in Form von Arthrose. Dazu kamen erste Meinungsverschiedenheiten mit seinem Vertragspartner King Features. Fosters hatten über 40 Jahre mehr als fünf Manager dort erlebt, wobei jeder Einzelne seine Besonderheiten aufwies. Fragen der Wirtschaftlichkeit waren immer mehr dem Populären seiner Arbeit auf den Fersen. Die einstige Vertrauensbasis zwischen dem Zeitungspapst Hearst und Foster war dem sachlichen Business gewichen. Manger und Foster mussten ihre Zwangsehe //Prinz Eisenherz// kostengünstigst steuern, Freundschaften wie in den Jahren des Erfolgs verschwanden und wurden geschäftlichen Bedürfnissen angepasst. Das zu verkraften machte dem alternden Foster offensichtlich Probleme, wirkte auf seine Stimmung ein. Die Arthrose überzog Hände und Füße und standen seiner Pflicht, jede Woche eine neue Page abzuliefern, im Wege. Letztlich machte sich bei ihm die Einsicht breit, dass er Hilfe benötigte. Im Jahr 1944 erfüllt sich das Ehepaar Foster einen großen Wunsch und zog in USA auf ein für ihre Bedürfnisse ideales Anwesen mit 6 Hektar nach Reddington, Connecticut, um. Alles, was sie gerne hatten, war vorhanden. Selbst kleinere Jagderlebnisse konnte Hal auf dem weitläufigen Areal realisieren. Es waren dort glückliche Jahre, alles schien optimal zu sein, Foster stand als geistiger Vater des Abenteuercomics auf dem absoluten Höhepunkt seines Erfolges. Doch selten fehlt in solchen Situationen neben vieler Sonne auch der Schatten. Und der war nachhaltig. Nach Jahrzehnten der Überbeanspruchung seines Körpers durch die viele Arbeit zeigte sich beim 70-jährigen Abnutzungsfolgen in Form von Arthrose. Dazu kamen erste Meinungsverschiedenheiten mit seinem Vertragspartner King Features. Fosters hatten über 40 Jahre mehr als fünf Manager dort erlebt, wobei jeder Einzelne seine Besonderheiten aufwies. Fragen der Wirtschaftlichkeit waren immer mehr dem Populären seiner Arbeit auf den Fersen. Die einstige Vertrauensbasis zwischen dem Zeitungspapst Hearst und Foster war dem sachlichen Business gewichen. Manger und Foster mussten ihre Zwangsehe //Prinz Eisenherz// kostengünstigst steuern, Freundschaften wie in den Jahren des Erfolgs verschwanden und wurden geschäftlichen Bedürfnissen angepasst. Das zu verkraften machte dem alternden Foster offensichtlich Probleme, wirkte auf seine Stimmung ein. Die Arthrose überzog Hände und Füße und standen seiner Pflicht, jede Woche eine neue Page abzuliefern, im Wege. Letztlich machte sich bei ihm die Einsicht breit, dass er Hilfe benötigte.
  
-Diese „Hilfe“ mündete in die Suche nach einem geeigneten Nachfolger, was keinesfalls einfach war. Infrage würden dafür bei der Bekanntheit des Comics nur andere gute Comic-Künstler kommen. Es wurden diverse Namen im Kreis der Familie genannt: [[:morrow_gray|Gray Morrow]], zunächst Hal's Favorit. Auch [[:wood_wallace|Wally Wood]], [[Rus Manning]] und natürlich [[:murphy_john_cullen|John Cullen Murphy]]. King Features signalisierte, dass sie über keinen eigenen Kandidaten verfügten. Hal könne niemanden ersetzen. So kam es zu drei Probearbeiten von Wally Wood, Gary Morrow und John Cullen Murphy. Die Seiten wurden von Foster vorbereitet und von den Künstlern ausgeführt. Doch Hürden der unterschiedlichsten Art tauchten bei Beurteilung der Probearbeiten auf. So gaben nicht nur künstlerische Argumente schließlich den Ausschlag.+Diese „Hilfe“ mündete in die Suche nach einem geeigneten Nachfolger, was keinesfalls einfach war. Infrage würden dafür bei der Bekanntheit des Comics nur andere gute Comic-Künstler kommen. Es wurden diverse Namen im Kreis der Familie genannt: [[:morrow_gray|Gray Morrow]], zunächst Hal's Favorit. Auch [[:wood_wallace|Wally Wood]], [[https://en.wikipedia.org/wiki/Russ_Manning|Russ Manning]]((Auf Facebook schreibt Brian Kane, einer der besten Kenner von Foster's Werk: "According to Mannings' daughter, Russ sent Prince Valiant tryout samples to Foster. Unfortunately, neither the originals nor copies of them exist -- or are in a someone's private collection (and they're not telling)."\\ Quelle: https://www.facebook.com/groups/2398179284/posts/10160626590264285/)) und natürlich [[:murphy_john_cullen|John Cullen Murphy]]. King Features signalisierte, dass sie über keinen eigenen Kandidaten verfügten. Hal könne niemanden ersetzen. So kam es zu drei Probearbeiten von Wally Wood, Gary Morrow und John Cullen Murphy. Die Seiten wurden von Foster vorbereitet und von den Künstlern ausgeführt. Doch Hürden der unterschiedlichsten Art tauchten bei Beurteilung der Probearbeiten auf. So gaben nicht nur künstlerische Argumente schließlich den Ausschlag.
  
 Foster entschied sich zögernd, die Arbeit mit John Cullen Murphy zu teilen. Er deckte den schreibenden //(Teil)// und den Entwurfspart ab, Murphy übertrug Foster's Vorgaben in das Layout. Das war der Stand 1971. Die neue Zusammenarbeit währte an die zehn Jahre, bis auch sie Foster überforderte. Murphy wurde 1980 der 100% Nachfolger von Foster, die Textarbeiten übernahm sein [[:murphy_cullen|Sohn]] //(Cullen Murphy)//, der beruflich als Historiker Zugang zu der mittelalterlichen Welt hatte, in der Foster Eisenherz angesiedelt und wirken hatte lassen. Am 10. Februar 1980 erschien die letzte von Foster noch ausschließlich erdachte und gezeichnete Seite. Für Foster ein schmerzlicher Abschied, denn nun war er mit seinen persönlichen Problemen alleine und konnte sich nicht mehr durch die Arbeit davon ablenken lassen. Arn Saba schildert in dem seinem Interview beigefügten Stimmungsbericht, wie er sich vom gealterten und frustrierten Foster verabschiedete. In der Hoffnung, dieser möge sich doch auf seinen Lorbeeren ausruhen, wozu Foster anscheinend nicht mehr bereit war. Gefragt, ob er glaube, dass sein Werk Generationen überdauern würde, verneinte er dies klar. Er irrte, wie wir heute wissen. Foster entschied sich zögernd, die Arbeit mit John Cullen Murphy zu teilen. Er deckte den schreibenden //(Teil)// und den Entwurfspart ab, Murphy übertrug Foster's Vorgaben in das Layout. Das war der Stand 1971. Die neue Zusammenarbeit währte an die zehn Jahre, bis auch sie Foster überforderte. Murphy wurde 1980 der 100% Nachfolger von Foster, die Textarbeiten übernahm sein [[:murphy_cullen|Sohn]] //(Cullen Murphy)//, der beruflich als Historiker Zugang zu der mittelalterlichen Welt hatte, in der Foster Eisenherz angesiedelt und wirken hatte lassen. Am 10. Februar 1980 erschien die letzte von Foster noch ausschließlich erdachte und gezeichnete Seite. Für Foster ein schmerzlicher Abschied, denn nun war er mit seinen persönlichen Problemen alleine und konnte sich nicht mehr durch die Arbeit davon ablenken lassen. Arn Saba schildert in dem seinem Interview beigefügten Stimmungsbericht, wie er sich vom gealterten und frustrierten Foster verabschiedete. In der Hoffnung, dieser möge sich doch auf seinen Lorbeeren ausruhen, wozu Foster anscheinend nicht mehr bereit war. Gefragt, ob er glaube, dass sein Werk Generationen überdauern würde, verneinte er dies klar. Er irrte, wie wir heute wissen.
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 Leider spielt das Schicksal stets sein eigenes Spiel. Es sollte anders kommen. Harold Foster, unzufriedener Ruheständler, benötigte einen medizinischen Eingriff unter Vollnarkose. Als er daraus erwachte, waren seine Erinnerungsstränge durch eine überlange Narkose in Mitleidenschaft gezogen. Alles, was diesen künstlerischen Teil seiner Persönlichkeit betraf, war gelöscht, er konnte sich offensichtlich an nichts mehr daraus erinnern. Die Tragödie potenzierte sich noch dadurch, dass er – mit seinen eigenen großartigen Arbeiten konfrontiert – nachfragte, wer denn dieser Künstler mit solchen Qualitäten sei? Am 25. Juli 1982 erlosch sein Leben, zwei Jahre später folgte ihm seine Frau Helen. Leider spielt das Schicksal stets sein eigenes Spiel. Es sollte anders kommen. Harold Foster, unzufriedener Ruheständler, benötigte einen medizinischen Eingriff unter Vollnarkose. Als er daraus erwachte, waren seine Erinnerungsstränge durch eine überlange Narkose in Mitleidenschaft gezogen. Alles, was diesen künstlerischen Teil seiner Persönlichkeit betraf, war gelöscht, er konnte sich offensichtlich an nichts mehr daraus erinnern. Die Tragödie potenzierte sich noch dadurch, dass er – mit seinen eigenen großartigen Arbeiten konfrontiert – nachfragte, wer denn dieser Künstler mit solchen Qualitäten sei? Am 25. Juli 1982 erlosch sein Leben, zwei Jahre später folgte ihm seine Frau Helen.
  
-Ähnlich wie am Schluss des Interviews sei es erlaubt, das großartige Foster-Werk als ein Ereignis der besonderen Art zu bezeichnen. Harold Foster hat Millionen von Lesern über Jahrzehnte Freude und Interesse geschenkt, sein Prinz Eisenherz lebt noch heute weiter, und viele Menschen auf der ganzen Welt erinnern sich an ihn und Foster. Für mich, der ich viele Stunden mit dem Übersetzen des letzten Interviews verbracht habe, der Jahrzehnte lang sich an dem Comic erfreute, ist es ein Bedürfnis, Foster dafür zu danken. Er war ein einfacher Mann, der schulisch zunächst wenig Bildung besaß, das Selbststudium in der Natur vorzog, der aber im beruflichen Leben durch seine Zielgenauigkeit und Liebe zum Detail, seinen Drang zur Realität, aber auch durch seine Festlegungen moralischer Art zu einem Vorbild wurde, als er das Versäumte aufholte und den Namen „Künstler“ ohne Einschränkung sich verdiente.  +Ähnlich wie am Schluss des Interviews sei es erlaubt, das großartige Foster-Werk als ein Ereignis der besonderen Art zu bezeichnen. Harold Foster hat Millionen von Lesern über Jahrzehnte Freude und Interesse geschenkt, sein Prinz Eisenherz lebt noch heute weiter, und viele Menschen auf der ganzen Welt erinnern sich an ihn und Foster. Für mich, der ich viele Stunden mit dem Übersetzen des letzten Interviews verbracht habe, der Jahrzehnte lang sich an dem Comic erfreute, ist es ein Bedürfnis, Foster dafür zu danken. Er war ein einfacher Mann, der schulisch zunächst wenig Bildung besaß, das Selbststudium in der Natur vorzog, der aber im beruflichen Leben durch seine Zielgenauigkeit und Liebe zum Detail, seinen Drang zur Realität, aber auch durch seine Festlegungen moralischer Art zu einem Vorbild wurde, als er das Versäumte aufholte und den Namen „Künstler“ ohne Einschränkung sich verdiente.\\ \\
  
 //Die in der Kolumne eingestreuten wörtlichen Zitate entstammen der englischen Fassung des Interviews und sind alle von Arn Saba im Protokoll des vollständigen Original-Interview und damit in der von mir übersetzten deutschen Fassung so enthalten. Andere Reminiszenzen aus Fosters Leben sind von mir aus eigenen Erinnerungen aus Artikeln und Interviews von mir sachlich in eigenem Wortlaut (also nicht wörtlich) zitiert.// //Die in der Kolumne eingestreuten wörtlichen Zitate entstammen der englischen Fassung des Interviews und sind alle von Arn Saba im Protokoll des vollständigen Original-Interview und damit in der von mir übersetzten deutschen Fassung so enthalten. Andere Reminiszenzen aus Fosters Leben sind von mir aus eigenen Erinnerungen aus Artikeln und Interviews von mir sachlich in eigenem Wortlaut (also nicht wörtlich) zitiert.//
  
 //Klaus Nonnast, Frühjahr 2026// //Klaus Nonnast, Frühjahr 2026//
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