Prinz Eisenherz Prinz Eisenherz
Übersetzungen dieser Seite:

Sammelleidenschaft

Erfahrungsberichte

Auf dieser Seite werden Berichte / Erfahrungen / Erlebnisse von Sammlern der Abenteuer von Prinz Eisenherz veröffentlicht.

Hier kann also auch DEIN Beitrag stehen - nur Mut!

Kontakt

Begeistert seit 66 Jahren

Die Geschichte eines Prinz Eisenherz Sammlers

Idee Andreas Schmidt - Text Klaus Nonnast

Sammlungen entstehen nicht selten durch Zufälle, sind keinesfalls immer geplante Absicht. Ein Mensch entwickelt zu einer Sache oder einem Gegenstand große Affinität. Dabei ist für ihn die monitäre Werteinschätzung zunächst nebenrangig, die entwickelt sich meist erst später, wenn von anderer Seite diese Fragen in Spiel gebracht werden.

Mich haben Sammelwünsche von frühester Jugend an begleitet. Stets wurden sie durch ein kleines Interesse geweckt, unverdächtig, dass sich dieses auswachsen könnte. Später war ich dann auf das Ziel, möglichst komplett zu werden, fixiert. Doch mal kürzer, mal länger, war das Ziel erreicht, erlosch das Interesse.

Doch es gab Ausnahmen. Prinz Eisenherz war die größte. Mit 11 Jahren war ich Zeuge seiner deutschsprachigen Wiedergeburt in der Illustrierten Woche des Badischen Verlages. Wiedergeburt deshalb, weil die Quellenforschung erste Veröffentlichungen – wenn auch zum Orginal hin stark abgewandelt – schon 1939 in einer Kinderzeitschrift namens Papagei anführt.

Aus heutiger Sicht ein unbedeutender Vorgang, aus Sicht des Jahres 1950 aber war es ein unter Jugendlichen großes Beachtung erzeugender Moment, als die Prinz Eisenherz Page Nummer 120 (Eisenherz blickt, auf einem Fels stehend, auf die von Hunnen belagerte Burg Andelkrag hinunter) über eine ganze Seite von der Illustrierten Woche abgebildet wurde.

Warum war dies damals so bedeutend? Versuchen wir uns in dieses Jahr 1950 und den damaligen Medienmarkt zu versetzen. Zwar war auch schon damals einige Printvielfalt am Kiosk festzustellen, doch es gab nur einen Bruchteil der Titel, die heute angeboten werden. Comichefte waren selten, Text-Schmöker kamen erst vereinzelt (wieder) auf den Markt. Fernsehen war nur Fachleuten bekannt, es wurde noch in Firmenlabors entwickelt. Jugendliche waren in der Regel auf die klassischen Titel (Karl May etc.) der Literatur angewiesen.

Vermutlich auf der Suche nach Neuem entdeckte ein Verlag den Prinzen. Und da das Interesse bei uns Jugendlichen wie eine Bombe einschlug, kurbelte seine wöchentlichen Fortsetzungen wahrscheinlich den Verlagsumsatz nicht unbedeutend an. Wie ein Lauffeuer sprachen sich in unserer „Klicke“ diese Bildseiten herum und mutierten zum Wochenhöhepunkt.

Für mich gab es nur ein Problem. Meine Eltern hatten einen wöchentlichen Lesezirkel aboniert, der aber bei Wechsel der Ausgaben unbeschädigt zurückgegeben werden musste, da die Hefte noch weiteren Lesern zugedacht waren. So konnten meine Freunde und ich zwar die einzelnen Folgen (in schwarz-weiss) lesen, aber nicht, zwecks sammeln, heraustrennen. Und Geld für einen Kauf der Ausgaben am Kiosk hatte ich als 11 Jähriger noch nicht.

Sicherlich versteht der geneigte Leser von heute, dass die Verlagsankündigung der geplanten Herausgabe von Sammelausgaben der bereits veröffentlichten Folgen bei mir einen Luftsprung auslöste. Als ich sie schließlich in Händen hielt, wurde meine Freude aber etwas getrübt, denn der Badische Verlag strich all die Übergangsfolgen heraus, die mit kleinen Familiengeschichtchen gefüllt waren. Man dachte wohl, wir Jugendlichen wären nur an dem Schlachtengetümmel interessiert.

Dann ging es zügig weiter, denn der Verlag startete neben den Wochenveröffentlichungen, den Sammelbänden auch noch eine Textausgabe als hartgebundene Bücher mit ausführlichen Texten und ausgesuchten besonders eindrucksvollen Bildern der Serie. Für Jahre standen diese Bücher auf meinem Weihnachtswunschzettel und … wurden auch erfüllt. Ich war zum Sammler geworden, ohne dass mir dies so richtig bewusst war.

Und weil Prinz Eisenherz gerade seinen Lauf hatte, erschienen uns bisher nicht oder weniger bekannte Fortsetzungen – und die noch in Farbe – in einer Comicheftchenreihe des Aller-Verlages, was weiteres Entzücken auslöste. Inzwischen Empfänger eines wöchentlichen bescheidenen Taschengeldes war der Kauf der Hefte gesichert. Das war die Situation bis ins Jahr 1954 bzw. 1955 hinein. Ich sammelte, was zu bekommen war und träumte ernsthaft davon, eines Tages die Story komplett zu besitzen.

Dass dieser Comic seine Wurzeln in USA hatte, wurde mir erst so um 1956 bewusst, als ein Freund mir einen Packen US Comics, unter denen sich auch einige Sundaypaper befanden, überlies. Hier entdeckte ich „meinen Eisenherz“ mit englischen Text und unter dem mir bis dahin unbekanntem Namen Prince Valiant. Mein erster Blick über den deutschen Comic-Tellerrand hinaus.

1956 verabschiedete sich die Illustrierte Woche des Badischen Verlages aus der Eisenherz-Publikation. Ich kann mich aber nicht erinnern, ob das auch das Ende der Zeitschrift war. Mein Entsetzen wurde doch stark abgemildert, weil sich die Neue Welt am Sonnabend bereit erklärte, die Geschichte nahtlos fortzusetzen, was sie dann - selbst bei später wechselndem Titel - bis ins Jahr 1970 hin zur Folge 1770 tat. Ein weiteres Highlight war, dass nunmehr alle Folgen in Farbe erschienen, wenn auch die Druckqualität so mancher Ausgabe sehr zu wünschen übrig lies. Der neue Verlag setzte auch die Tradition der Sammelbände fort, führte sie insgesamt bis zum laufenden Band 19.

Den Jugendlichen-Status hatte ich inzwischen hinter mir, es gab viele andere Begebenheiten, die in meinen Interessen-Fokus gerückt waren. Trotzdem „lief“ das Sammelabenteuer Prinz Eisenherz weiter. Übrigens sehr zur Freude meiner Oma. Denn die Welt am Sonnabend zählte zu den Publikationen, die man heute als Yellow-Press bezeichnet. Und da wir zusammen wohnten, der Enkel die Ausgaben kaufte und ins Haus schleppte (lediglich auf seine letzte Seite mit dem PE Comic bestand), hatte sie eine Woche lang Lesestoff über Ereignisse, die damals wie heute die Frauenwelt beschäftigten.

Doch alles bleibt ständig im Fluß, auch damals schon. Ich hatte inzwischen ein mehrjähriges Studium hinter mir, hatte Familie und arbeitete an meiner beruflichen Zukunft. Die fand ich für einige Jahre in Lübeck. Das bedeutete aber, dass wir uns wegen begrenztem Platz in einer Firmenwohnung räumlich einzuschränken hatten. So blieb es nicht aus, dass ich über Reduzierungen selbst ganz persönlicher Dinge nachdenken musste. Leider traf ich in dieser Situation eine Entscheidung, die ich bis heute noch bereue. Ohne im mindesten an Sammlungsaspekte zu denken, beauftragte ich einen Buchbinder, alle 11 PE-Bücher auszubinden und in zwei Sammelbänden neu zu fassen. Dito die 19 Sammelbroschüren. Noch weniger überlegt ging ich mit meinen Allerheftchen um, aus denen ich alle Eisenherz-Seiten heraustrennte und bildkantengenau ausschnitt. Nun hatte ich zwar Platz gespart, aber den Originalen heftigste Gewalt angetan.

Die Internationalität dagegen wuchs. Eine Tante, die in Südafrika lebte, sammelte über lange Zeit die dort erschienen Strips und schickte sie mir zu. Meine Schwiegermutter, die in Amerika lebte, sammelte auch für mich und schließlich fand ich bei einem Urlaub in Italien gebrauchte Heftausgaben in italienischer und in portugiesischer Sprache. Meine Freude war reichlich groß, wie der Leser sicherlich nachvollziehen kann.

Im Jahre 1970, inzwischen waren wir wieder in meine Heimatstadt zurückgekehrt, begann ein ereignisreicher Publikationsstrom namens Pollischansky. Auch hier war ich von seiner ersten Veröffentlichungsstunde mit dabei und kaufte beinahe alles, was er drucken lies. Wie ich erst heute durch einen Beitrag (vom Prinz Eisenherz-Übersetzer Wolfgang J.Fuchs im Bocola-Foster-Band 18) erfuhr, war Pollischansky wohl ein ähnlich begeisteter Anhänger dieser Abenteuergeschichte wie ich. Leider bin ich ihm nie begegnet.

So speiste sich meine Sammelbegeisterung ausgehend von der Illustrierten Woche des Badischen Verlages (1950-1956) über die Welt am Sonnabend (1956-1970) über Pollischansky (1970-1991) bis zum Carlsen Verlag, der 1987 antrat und noch immer veröffentlicht, sowie der rege Bocola-Verlag, der seit 2006 die Foster- und die Murphyjahre in neuem Glanz auferstehen lässt.

Sachkundige Leser werden sicherlich nach den von mir als „Zusatz“ bezeichneten Verlagsprodukte des Kauka-Verlages, des Melzer- oder des Splitterverlages fragen, zumal meine Aufzählung nur wenige Namen nennt. Klickt man das PE-Lexikon von Andreas Schmidt an, erkennt man unschwer, dass sich über Jahrzehnte eine Reihe von Verlegern am Thema versucht haben. Manche sogar manche mehrmals, leider nicht immer mit Erfolg.

Ich besitze einen Teil dieser „Zusatz-Veröffentlichungen“, aber nicht alle. Die Gründe sind vielschichtig. Entweder erfuhr ich sehr spät davon und konnte keine Quellen mehr ausfindig machen, oder ich fand die Qualität und auch die Preise nicht angemessen. Denn ich besaß inzwischen die ganze Geschichte lückenlos, zusätzliche Ausgaben, manchesmal von mäßiger Qualität, interessierten mich einfach nicht.

Der kritische Leser wird einwenden, dass ich nicht genügend differenziere. Für den Splitter-Verlag gilt dies ganz bestimmt, denn dessen Qualität war sehr gut. Leider war es deren Preis aber nicht, denn für einen einzelnen Comic-Band rund hundert Mark auszugeben, das hätte meine finanziellen Möglichkeiten deutlich überstiegen. Zumal es mit einem einzelnen Band ja nicht getan gewesen wäre, es erschienen mehr als ein Dutzend dieser Bände, da wäre viel Geld nötig gewesen. (Ähnlich erging es mir übrigens später mit der Camelot-Ausgabe von Bocola). Doch auch hier vergab ich meine Chance.

Auf der Frankfurter Buchmesse traf ich auf drei „Splitter-Herren“, mit denen ich ins Gespräch kam. Als Ergebnis bot man mir einen Deal, alle Luxusalben für 7o Mark pro Band zum Messepreis an. Ich zögerte erneut, die Familie und deren Bedürfnisse erschienen mir einfach wichtiger.

Meine Sammler-Geschichte, wenn man sie überhaupt so nennen kann, ist naturgemäß stark mit den deutschen Publikationen verzahnt. Aber es gibt bei mir auch – wie schon angesprochen – wesentliche Sammlungsteile, die aus amerikanischen Quellen stammen. Ich habe vorstehend davon erzählt, dass ich „Freunde“ hatte, die im Ausland für mich mitsammelten. Kurioserweise war aber eine ganz besonders ergiebige Quelle das Sunday Paper der amerikanischen Armeezeitung Stars and Stripes, zu der ich, für mich ganz überraschend, Zugang fand. Das hatte mit meiner Tätigkeit in einer großen Druckerei zu tun. Unser Chef hatte enge Kontakte zu den Amerikanischen Streitkräften und bezog – quasi als Druck-Kollege – täglich deren weit verbreitete Europa-Ausgabe.

Als ich zufällig entdeckte, dass „mein Eisenherz“ in der Stars and Stripes Woche für Woche zu finden war, „lenkte ich“ mit Hilfe des Sekretariats unseres Chefs die „Cartoons“ um und kam so über Jahre in den Besitz der aktuellen Abenteuer. Wenn es gelegentlich einmal nicht klappte, weil die Beilage aus unbekannten Gründen nicht vorhanden war, hatte ich einen Vertrauten im Stadtbüro dieser Zeitung. Diesen Vertrauten musste ich nur kurz telefonisch kontakten und schon lag für mich ein Exemplar aus dessen Belegstücken bereit. So etwas nannte ich „Absicherung“ und honorierte es mit Wein zu Weihnachten. Gerne erinnere ich mich an diesen freundlichen Mann, der über viele Jahre – einmal von mir eingeweiht – Prinz Eisenherz für mich – zu seiner Sache machte.

Als ich begann, diese Sammlergeschichte nieder zu schreiben, mailte ich deren Zentralredaktion in Washington an, weil ich mich vage erinnerte, dass die Stars und Stripes irgendwann ihre Comicbeilage veränderten (für amerikanische Verhältnisse ein ungeheuerlicher Vorgang) und diesem Einschnitt Prince Valiant zum Opfer fiel. Innerhalb von Stunden wurde ich von einer dieser superfreundlichen Mitarbeiterinnen, die man so nur in Amerika findet, informiert: PE erschien in Stars and Stripes (Europaausgabe) von 1948 – 2005. Einen größeren Teil der Jahrgänge findet man in meiner Sammlung.

Noch eine kleine Episode zur amerikanischen Comicszene. Im letzten Jahr war ich für einige Wochen in Georgia, im Süden von Nordamerika. In einer (Shopping-)Mall entdeckte ich einen Comicstore und suchte diesen natürlich auf. Meine Frage, ob er Prince Valiant Bücher oder Broschüren führe, verneinte der Verkäufer, er habe viele Titel, nicht aber diese Serie. Auf meine erstaunte Frage, warum denn nicht eine solch bekannte Comicserie, murmelte er im landesüblichen Südstaaten-Slang, der würde hier nicht verlangt. Für mich der Hinweis, dass mit dem doppelten Zeichnerwechsel auch in USA viel Interesse am Strip verloren gegangen ist.

Inzwischen hatte sich das Rad der Geschichte wieder ein Stück weiterbewegt. Das Internet breitete sich in rasantem Tempo aus. Überflüssig zu betonen, dass ein Sammler wie ich bald auf Tour durch die bits und bites ging, ob man dort den Prinzen möglicherweise auch kennen würde, vielleicht sogar im Archiv hätte?
Treffer! Die Jahrgänge 2001 – 2004 boten N.N. und M.M.1) mit eigener Übersetzung als Zip-Dateien an. Diese Suche war damals meine erste Prinz-Eisenherz-Internetaktivität. Später fand ich heraus, dass es mit dem Zeichnerwechsel von Murphy zu Gianni üblich wurde, dass man auf einzelnen amerikanischen Zeitungspages die aktuelle Fortsetzung sich nicht nur ansehen sondern sogar ausdrucken konnte. Ich gab das aber wieder auf, weil es mir von der Qualität her zu wenig gut erschien. Und ein denkbares Druck-Abo bei King Futures (sic!)2) dafür erschien mir überzogen.

Ein Sammlungsbericht wie dieser kann nicht enden, ohne dass ich die Arbeit des Bocola-Verlag in Bonn 3) heraushebe. Was Achim Dressler und sein Team an der Wiederherstellung der einstigen Zeichnungs- und Reproduktions-Qualität geleistet haben, kann überhaupt nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die digitalen Techniken lassen inzwischen außergewöhnlich gute Leistungen erwarten, aber keine Technik ist etwas wert, wenn der Bediener solcher Geräte nicht das notwendige Gespür für das richtige Ergebnis mitbringt.

Dressler & Co haben diesen Comic (seine anderen Wiedererweckungen kenne ich nicht) zurückgeholt aus einer – leider – mitunter sehr wenig schönen Druckqualität, die aber meistens verfahrensbedingt war. Und er hat dem Sammler etwas geschenkt, was so nicht zu erwarten war: nämlich Qualität und Preis stehen bei ihm im richtigen Verhältnis. Auch dafür sei ihm gedankt.

Sollte es einzelne Leser geben, die sich durch meine Sammlergeschichte ganz hindurchgearbeitet haben – Hut ab – dann hoffe ich, dass sich der eine oder andere davon anstecken lässt. Zwar sind die Zeiten von Foster und Murphy vorbei, auch deren Ausdauer und Treue zum Epos, aber vielleicht finden sich, oder sind schon gefunden, neue Kreative, die dem Abenteuerroman frischen Schwung geben könnten. Ich habe bis heuer 66 Jahre als Leser und Sammler durchgehalten. Wer überbietet mich?

5.1.2016 4)

Interview mit einem Sammler aus den U.S.A. (in Englisch!)

Auf der Internetseite intelligentcollector.com findet sich unter dem Titel „Valiant’s White Knight“ ein Interview mit Tom Tataranowicz, der seit 1978 Originalskizzen von Hal Foster sammelt. Lesen Sie selbst, was er dazu berichtet.
Link zum Interview mit Tom T., von Hector Cantú

1) Namen werden hier nicht ohne Zustimmung veröffentlicht!
3) Mittlerweile ist der Verlag nach Klotten an der Mosel umgezogen.
4) Die Links zu den Beiträgen im Wiki sind vom Webmaster hinzugefügt worden.
Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Durch die Nutzung dieser Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Weitere Information
allgemein/sammelleidenschaft.txt · Zuletzt geändert: 09.11.2016 09:59 von admin
vorige Seite
 
 
Prince Valiant - In the days of King Arthur Prince Valiant - In the days of King Arthur Driven by DokuWiki do yourself a favour and use a real browser - get firefox!! Recent changes RSS feed Valid XHTML 1.0 Valid CSS

© 2007-2016 Andreas Schmidt